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Tim Henning – Blackrock

Von Tim Henning

Die Uni Greifswald ist selbstverständlich der beste Ort um BWL zu studieren.

Zumindest fast. Gleich verrate ich, warum ich das so sehe.

Zunächst freue ich mich, dass mein Start ins Berufsleben als ,Erfolgsstory‘ überschrieben wird – vielen Dank. Aber wie sieht denn ein erfolgreicher Berufsstart eigentlich aus? Für mich bedeutet es nicht wie sonst so häufig ,das Hobby zum Beruf zu machen‘, sonst wäre ich heute Pianist oder Schokolade-Tester. Und rückwärts gedacht; eine komische Welt, in der Menschen hobbymäßig Zähne ziehen oder Tiere schlachten und zu Würsten pressen.

Ein Start ins Berufsleben ist doch dann erfolgreich, wenn die Themen und Kollegen etwas Interessantes zu bieten haben. Jeden Tag. Und hier liegt der Punkt – welcher Job ist so interessant, dass ich wirklich täglich neu wissen möchte, was mich am Arbeitstag erwartet? Und wie kommt man dahin den zu finden? Soweit der Generation-Y-Prolog vorab.

Wie sieht dieser Job also für mich aus? Ich arbeite bei BlackRock, einem globalen Investment Manager. Meine Kunden sind institutionelle Investoren – Versicherungen, Unternehmen, Pensionskassen – all jene, die nicht privates, sondern einer Gemeinschaft gehörendes Geld anlegen. Also den Versicherungsbeitrag aller Versicherten oder die Betriebsrente für alle Mitarbeiter eines Konzerns.

Was kaufen bzw. wie investieren solche Kunden? In Portfolios, in denen mehrere Anlageinstrumente (Aktien, Anleihen, Derivate, aktuell besonders häufig auch Immobilien, Brücken, Windparks, Anteile an Start-Ups, usw.) gebündelt werden. Ziel – Diversifikation. Verringert sich der Wert einer Mautstraße in Polen, dann kann der Windpark in Ägypten diesen Verlust vielleicht ausgleichen. Dank des guten Risikomanagements für ein global allokiertes und über Sektoren gestreutes Portfolio erhält der Rentner die ihm einmal versprochene Betriebsrente.

Mein Job also an einem Beispiel: Ein Dax-Konzern möchte USD 150 Mio. global in Infrastrukturprojekte investieren und ruft mit dieser Idee an. Er nennt uns Risikobereitschaft und Renditeerwartung, zudem weitere sektorspezifische Kennzahlen. In wenigen Tagen melde ich mich zurück und schlage vor – wie, wo, wann und mit welchem Team. Bis zu diesem Punkt ist eine Menge Projekt-, Strukturierungs- und Denkarbeit zu leisten. Da kein Portfolio dem anderen gleicht, beginnt dieser Prozess jedes Mal von Neuem – und das ist spannend.

Um die ganze Welt an Investmentmöglichkeiten zu überblicken, braucht es ein globales Team – bei uns mehr als 13.000 Menschen. Unzählige verschiedene Charaktere, Ausbildungen, Leidenschaften und Spezialisierungen. Alle mit der gleichen Aufgabe – Geld so anlegen, dass finanzielle Ziele erreicht werden.

Und damit werden automatisch globale Karrieren kreiert: Mein Job begann mit einem dreiwöchigen Training in New York, der Stadt, in der unsere Firma beheimatet ist. 319 weitere Uniabsolventen von überall auf der Welt haben diese Zeit mit mir in New York geteilt. Mir wurden Geheimtipps in der Stadt gezeigt, wir sind durch den Central Park gejogged, mir wurde eine Campus-Führung an der sonst verschlossenen Columbia University von einem Kollegen angeboten – dort sind Freundschaften entstanden und Kollegen zusammengewachsen, die alle wirklich Interessantes in mein Leben gebracht haben.

Heute ist mein Standort Frankfurt am Main, denn ich betreue institutionelle Kunden in Deutschland und Österreich. Meine Chefin ist Französin und sitzt mit allen weiteren Kollegen – eine Spanierin, einem Inder, Amerikanern und Briten natürlich, – in London. Daher bin ich für einige Zeit in eine kleine Londoner Wohnung gezogen und ich pendle weiterhin regelmäßig von Frankfurt aus zu meinem Team. Die Zeit im Londoner Büro, mit tausenden Spezialisten, ist stets sehr inspirierend für mich. Jeder bringt seine Ideen, seine Erfahrung ein. Es gibt Experten für Währungsabsicherungen, Europäische Staatsanleihen mit kurzer Duration, deutscher Investmentregulierung und –besteuerung, Trader, Strategen, Marketingspezialisten, sogar ein Filmstudio mit 5 Produzenten. Einfach alles Vorstellbare im Investmentbereich.

Und wofür? Am Ende schenkt der Opa der Oma in Greifswald einen Blumenstrauß zum 56. Hochzeitstag. Auch dank der Arbeit von 13.000 Menschen an seinem BlackRock Pensions-Investment. Das finde ich erstrebenswert und erfüllend.

Also Greifswald. Hier die Top 5 Gründe für ein BWL-Studium in HGW:

1)    Du bist motiviert und kein Gammler? Super – viel mehr Studenten als an anderen Unis (z.B. mit NC) sind in Greifswald sehr entspannt dabei. Daher, auch ohne Superbrain zu sein, kannst du bei gutem Fleiß und echtem Interesse mit ‚überdurchschnittlichen Leistungen’ herausstechen. Das wurde mir klar, als gerade ich einmal als ‚Streber’ bezeichnet wurde.

2)    Du hast riesige Freiheiten. Nichts ist wichtiger, als sich in der Zeit an der Universität selbst zu entdecken. Das kann im Mensaclub passieren – die professionelle Komponente jedoch kommt vor allem bei Gruppenarbeit an Projekten, Hausarbeiten, Prüfungsvorbereitungen und Vereinsaktivtäten zum Zuge. Das Studium ist nicht stressig und kann sehr frei gestaltet werden. Es ist nicht verschult und wirklich universitär konzipiert. Sprich: Wachstum deines Intellektes ist das Ziel, gerade weil du wirklich die freie Entscheidung hast – Vorlesung? Lernen? Vereinsarbeit? Mensaclub?

3)    Die Professoren sind gut. Und auf keinen Fall weniger gut als an anderen Unis, zumindest ist das mein Eindruck aus vielen Gesprächen mit Studenten und gelesenen Skripten anderer Unis. Ich halte mich nach dem Studium für einen gut ausgebildeten BWLer und begeisterten VWLer.

4)    Es geht sehr persönlich zu. Ich bin seit drei Jahren kein Student mehr in Greifswald und noch heute sprechen mich Professoren mit Namen an, wenn ich sie in der Fußgängerzone treffe, während ich Freunde besuche.

5)    Börsenverein, studentische Unternehmensberatung, Fachschaftsrat. Es ist absolut unproblematisch, Verantwortung in einem der zwei guten BWL-nahen Vereine oder dem FSR zu übernehmen – eine tolle Gelegenheit, Erfahrungen mit Arbeit im Team und an Projekten zu sammeln.

Zwei Tipps:

1)    Englisch ist ein Problem. 

Der kleine Business Englisch-Kurs an der Uni ist nett gemeint, mehr auch nicht. Ich bin direkt aus Greifswald nach New York gegangen, vier Jahre altes Schulenglisch war mein Asset. Ein Aushang im Wohnheim Fleischerwiese hatte mich gerettet: Freundliche junge Menschen, vornehmlich aus Utah, zusammenkommend im mormonischen Zentrum in der weißen Villa an der Europakreuzung, sind wirklich eine klasse Hilfe, um etwas Sprachgebrauch zu trainieren. Einfach vorbeischauen und nach dem wöchentlichen Englischkurs fragen. Die religiösen Überzeugungen werden jeweils nach dem einstündigen Kurs vermittelt, das kann man, je nach Wunsch auch auslassen.

2)    Praktika!

Warum auch immer machen Studenten in Greifswald unfassbar selten Praktika. Schluss damit! Nach dem zweiten Semester spätestens das erste, dann immer wieder eins. Ausreden wie „Die Prüfungstermine liegen ungünstig“ sind zwar wahr – aber auch irrelevant, es findet sich immer ein Weg.

Kurzum, ich habe auch mit und vielleicht gerade wegen meines Studiums an der Universität Greifswald einen Berufseinstieg erlebt, der mich persönlich sehr erfüllt. Jeder kann das erreichen und an dieser Universität wird man dir ein guter Partner auf deinem persönlichen Weg sein.